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Was hilft bei einer Venenschwäche?

Abends müde Beine und dicke Knöchel – das weist auf schwache Venen hin. Die häufigsten Ursachen, typische Symptome und was Sie dagegen tun können
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 23.03.2017

Ein paar Spritzer kühles Wasser tun den Venen gut – besonders an heißen Tagen

Mauritius/Fancy

Schon wieder den ganzen Tag sitzend im Büro verbracht. Wie müde und schwer sich die Beine am Abend anfühlen. Endlich zu Hause angekommen, bemerken Sie, dass Ihre Knöchel angeschwollen sind. Machen die Venen schlapp? Das könnte gut sein. Unser Experte Dr. Norbert Frings klärt die wichtigsten Fragen zum Thema Venenschwäche. Er ist Chefarzt und ärztlicher Direktor der Capio Mosel-Eifel-Klinik in Bad Bertrich, einer Fachklinik für Venenerkrankungen.

Was ist eine Venenschwäche? Wie entsteht sie?

Von "schwachen Venen" sprechen Laien oft, wenn sie Besenreiser oder Krampfadern bei sich bemerken. Ärzte fassen darunter ein bestimmtes Krankheitsbild zusammen, das sich in verschiedene Schweregrade einteilen lässt – die Venenschwäche oder medizinisch gesagt Veneninsuffizienz. Sie beginnt, wenn sich die Venenklappen nicht mehr richtig schließen. Diese Ventile sorgen normalerweise dafür, dass das Blut in den Beinen nicht in Richtung Fuß absackt, sondern zurück zum Herz fließt. Für ausgeleierte Venenklappen kommen verschiedene Ursachen infrage. Im Laufe der Zeit staut sich das Blut in den Beinen mehr und mehr. Flüssigkeit tritt in das angrenzende Gewebe aus, die Haut wird schlechter mit Nährstoffen versorgt. Besteht die Krankheit über Jahre und hat bereits die Haut geschädigt, sprechen Mediziner von einer chronisch venösen Insuffizienz.

Unser Experte: Dr. Norbert Frings, Chirurg, Gefäßchirurg und Phlebologe (Spezialist für Venenerkrankungen)

W&B/Privat

Welche Ursachen kommen infrage? Wer hat ein höheres Risiko, an einer Venenschwäche zu erkranken?

Das Alter spielt als Auslöser eine Rolle, ebenso wie eine familiäre Veranlagung, Übergewicht und eine vorangegangene Thrombose im Bein. Wer einen Bürojob hat und sein Leben lang sitzend verbringt, schadet den Venen genauso wie ein Mensch, der den ganzen Tag stehen muss. Frauen bekommen öfter als Männer Probleme mit den Venen. Laut Experte Frings sind zum einen die weiblichen Hormone schuld daran, zum anderen das weichere Bindegewebe. Auch mehrere Schwangerschaften erhöhen das Risiko. Frings sagt: Jede fünfte Frau erkrankt in Deutschland an einem chronischen Venenleiden und jeder sechste Mann. Leichte Veränderungen an den Venen kommen im Laufe des Lebens bei gut 90 Prozent der Menschen vor.

Was sind die ersten Anzeichen einer Venenschwäche?
Welche Symptome können noch auftreten?

Zu Beginn machen sich laut Venenspezialist Frings vor allem müde Beine bemerkbar – zum Beispiel abends oder wenn Sie länger sitzen oder stehen mussten. Auch leichte Schwellungen an den Fußknöcheln, die ebenfalls abends oder an heißen Sommertagen auftreten, sind ein Hinweis. Schnüren die Sockenränder die Haut ein, ist entweder der Gummibund zu fest oder Ihre Venen sind schuld. Hinzukommen können Krämpfe in den Beinen, ebenso wie "unruhige" Beine. Schwächeln die Venen, kann sich dies auch in Besenreisern äußern. Erkennen Sie bräunliche Verfärbungen an den Unterschenkeln oder den Knöcheln, ist die Venenschwäche bereits vorangeschritten. Der schlimmste Zustand der Krankheit geht mit einem offenen Hautgeschwür einher – dem Ulcus cruris.

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine Veneninsuffizienz fest?

Zuerst sieht sich der Arzt die Beine des Patienten genau an und tastet sie ab. Dabei kann er äußerlich sichtbare Veränderungen wie Schwellungen, Besenreiser, Krampfadern oder braune Flecken erkennen. Danach untersucht der Arzt die Beine meistens mit einem dafür geeigneten Ultraschallgerät, um Funktion und Zustand der Venenklappen zu überprüfen. Den Blutfluss im venösen System kann er mit speziellen Gerätschaften bestimmen. Damit bekommt er Hinweise darauf, wie weit die Veneschwäche bereits fortgeschritten ist und welche Therapie sich empfiehlt. Der Arzt wird außerdem abklären, ob eventuell andere Krankheiten hinter den Beschwerden stecken.

Behandlung: Was hilft gegen eine Venenschwäche?

Welche Therapie der Arzt empfiehlt, hängt von den Beschwerden ab. Ziel ist es, dass sich die Venenklappen wieder besser schließen und das Blut weiterbefördern. Im Vordergrund steht die sogenannte Kompressionstherapie – also Kompressionsstrümpfe, die durch ihr feinmaschiges Gewebe Druck ausüben und die Venen in den Beinen zusammenpressen. Das erleichtert den Venenklappen die Arbeit. Außerdem sackt weniger Flüssigkeit ins Gewebe und Schwellungen verringern sich. Spezielle Druckverbände helfen auf die gleiche Weise.

Ebenfalls sehr wichtig: Bewegung. Die Kompressionsstrümpfe helfen in erster Linie, wenn Sie Ihre Wadenmuskulatur anspannen. Außerdem üben mehr Muskeln mehr Druck auf die Venenklappen aus.

Reichen die Strümpfe nicht aus oder hat die Venenschwäche einen gewissen Grad überschritten, empfiehlt der Arzt eventuell zusätzlich Medikamente, die zum Beispiel die Ödeme (Schwellungen) lindern. Macht ein Venenbereich in der Leiste zu sehr schlapp, kann der Arzt die defekte Venenklappe so modifizieren, dass sie wieder besser schließt. Oder er schaltet die Krampfadern aus, sodass gesunde Venen in der Umgebung die Funktion übernehmen. Dafür gibt es verschiedene Verfahren: zum Beispiel eine spezielle Operation der Krampfadern, ein Verschluss des defekten Venenbereichs durch Laser oder Radiowellen sowie eine (Schaum)-Verödung. Klären Sie mit Ihrem Arzt, welche Methode für Sie die beste ist, welche Risiken bestehen und wie groß die Erfolgschancen sind. Lassen Sie sich nach Möglichkeit von einem Venenspezialisten beraten.

Was können Sie selbst für Ihre Venen tun? Wie vorbeugen?

Treiben Sie Sport und bewegen Sie sich regelmäßig. Experte Frings empfiehlt: Mindestens 30 Minuten pro Tag flott gehen, joggen, Radfahren oder auf den Heimtrainer steigen, sofern aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht. Sitzen Sie nicht zu lange am Stück. Bewegen Sie sich zwischendurch immer etwas, zum Beispiel Treppen steigen oder einen kurzen Spaziergang in der Mittagspause einlegen. Müssen Sie viel stehen, dann entlasten Sie die Beine von Zeit zu Zeit, indem Sie die Position ändern oder die Füße auf einen Podest stellen. Wenn möglich, auch mal hinsetzen. Tragen Sie – sofern Ihnen der Arzt dazu rät – Kompressions-Kniestrümpfe.

Wenn Sie ein erhöhtes Risiko für eine Venenschwäche haben – zum Beispiel durch ein schwaches Bindegewebe – sollten Sie Ihr Leben lang auf oben genannte Tipps achten. Lassen Sie sich bei Beschwerden frühzeitig vom Arzt untersuchen. Halten Sie die Venen zusätzlich durch spezielle Übungen fit. Diese können Sie auch während der Arbeit machen. Zum Beispiel die Füße kreisen oder die Fußspitzen abwechselnd nach oben und nach unten bewegen. Oder wie hier in unserem Video:

Niko Remy, screenpulse

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Quellen:

Leitlinie "Diagnostik und Therapie der chronischen venösen Insuffizienz (CVI)", Abruf: Mai 2012

Moll: Dermatologie, Duale Reihe, Thieme Verlag, 7. Auflage

Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, 6. Auflage




Bildnachweis: Mauritius/Fancy, W&B/Privat, Niko Remy, screenpulse

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